Commerzbank stoppt Immobilien- und Schiffskredite

Eine neue Bankgeschäftstaktik? oder ein strategischer Rückzug im riskanten Immobiliengeschäft?

Commerzbank stoppt Immobilienkredite Die Commerzbank vollzieht mit der Entscheidung, das Neugeschäft mit Schiffskrediten und Krediten für Gewerbeimmobilien einzustellen, eine Kehrtwende. Denn noch vor wenigen Monaten wurde dieses Geschäft zum Kerngeschäft erklärt. Die Bank erklärte im Juni 2012, dass die bestehenden Kredite nun Schritt für Schritt so abgebaut werden, dass sich für niemanden große Verluste ergeben. Dennoch hat die Entscheidung schwerwiegende Folgen, zumindest für die verbliebenen 1.000 Eurohypo-Mitarbeiter. Nur ein Teil der Mitarbeiter wird wohl in die interne "Bad Bank" kommen, die die Schiffs- und Hypothekenkredite aufnimmt. Rund 160 Mitarbeiter sind in der Schiffsfinanzierung tätig.

Schon im März fasste die Commerzbank den Entschluss, nur einen kleinen Kern der Eurohypo in Deutschland und vier anderen Ländern zu halten. Vier Fünftel des Bestandes sollten schon damals abgebaut werden. Die Bank wollte statt 20 Milliarden Euro an Krediten für Schiffe in ihren Büchern nur noch die Hälfte stehen haben. Dennoch wurden beide Bereiche zum Kerngeschäft erklärt. Im Sommer erklärte die Bank aber, dass es das nun doch nicht geben wird. Für Firmen- und Privatkunden will die Bank aber weiterhin Immobilienkredite bereitstellen. Teil des neuen Geschäftsfeldes sollte die Spezialfonds-Tochter CommerzReal werden, die nunmehr in den Privatkunden-Bereich eingegliedert wird.

Keine Kehrtwende von der Bank, sondern eine Kursbeschleunigung

Der Commerzbank-Chef Martin Blessing meinte in einem Interview, dass es sich nicht um eine Kehrtwende handele, sondern um eine Beschleunigung des bisherigen Kurses. Man reagiere damit auch auf die Staatsschuldenkrise. Der Strategiewechsel ist laut Blessing auf die Schwankungen in den Bereichen der Schiffs- und Gewerbeimmobilienfinanzierung zurückzuführen. Und an diesen Schwankungen werde sich so schnell nichts ändern. Darüber hinaus wäre nach den neuen Liquiditäts- und Eigenkapitalvorschriften von "Basel III" zu viel wertvolles Kapital durch langfristige Kredite gebunden. All diese Tatsachen machen das Geschäftsmodell der Immobilien- und Schiffsfinanzierung für die Bank nicht mehr attraktiv. Ein schnelles Ende der Eurokrise ist nicht in Sicht, sodass die Banken generell potenzielle Risiken minimieren und sich auf nachhaltig profitable Geschäfte konzentrieren müssen.

Was passiert in den nächsten Jahren?

An den Zielen des laufenden Geschäftsjahres wird nach wie vor festgehalten. Für das Jahr 2012 hat die Bank lediglich festgelegt, nicht mehr als 1,7 Milliarden Euro für die Rückstellungen für "faule" Kredite zur Verfügung zu stellen. An der grundsätzlichen Risiko-Einschätzung der Portfolien gibt es keine Änderung.

In der kommenden Zeit müssen sich die Kunden und Mitarbeiter der Commerzbank jedoch auf generelle Veränderungen einstellen. Der Abbau von Immobilien- und Schiffskrediten sei nach Angaben der Bank nur der erste Schritt aus einer strategischen Überprüfung aller Bank-Ebenen. Der neue Finanzchef Engels sagte hierzu: "Die Ergebnisse dieses Prozesses werden wir im Herbst vorstellen." Laut Engels werde die Commerzbank als führende Bank für Firmen- und Privatkunden weiter an ihrem Profil arbeiten.