Lohnt es sich eine Wohnriester zu machen?

Je genauer man sich die Wohnriesterverträge anschaut, desto mehr Fragen kommen auf, wo denn nun der Vorteil für den Verbraucher bei der Wohnriester ist?

Der herkömmliche Bausparvertrag hat ja im Grunde sozusagen ausgedient.
Das liegt in erster Linie daran, dass die vergangenen Finanzkrisen den Leitzins so weit gesenkt haben, dass man sehr günstig Immobilienkredite bekommen kann. Während zum Beispiel in den 80er Jahren für eine Kreditsumme von 100.000 Euro ein Durchschnittzins bei 7 bis 8 Prozent oder mehr lag, war man in den 90er Jahren schon gut bedient, wenn eine Bank einen Immobilienkredit für 5 Prozent vergeben hat. Daher war es damals auch ratsam und gut einen Bausparvertrag abzuschließen, um sich die damals günstig erscheinen Zinsen langfristig zu sichern.

bauzinsen entwicklung Nun sind wir aber im Jahre 2010 und später angekommen und, siehe da, alle düsteren Prognosen der Finanzberater waren falsch und der Kreditzins für Immobilienkredite ist günstiger den je.

Es ist wirklich so, dass eine Hausbaufinanzierung oder ein Kauf einer Eigentumswohnung noch nie so günstig war wie heute.
Und daher raten auch viele Finanzexperten dazu, wer plant zu bauen, sollte es jetzt bald tun und die guten Zinsen sichern.
Ein guter Finanzierungsberater wird ihnen auch zusätzlich einen vergünstigten Kredit der Förderbank Kfw (Kreditanstalt für Wiederaufbau) anbieten, die zum Beispiel eine Teil Ihrer Kreditsumme ausmachen. Hier kann man schon mal einen attraktriven Kreditzins unter 3 Prozent bekommen.
Die meisten Banken Darlehen bei Immobilienfinanzierungen oder Baukredite liegen im Schnitt etwas über 3 % und das bei einem Tilgungssatz von 1 Prozent.

Mit eine paar staatlichen Hilfen, Prämien und Förderprogrammen, würde man es den Bundesbürger um einiges leichter machen Ihre eigenen 4 Wände zu finanzieren, aber die Eigenheimzulage gibt es leider nicht mehr, obwohl die Idee und das Prinzip zur Wohnungsbauförderung wohl das beste war, dass die Deutsche Bundesregierung je für Ihre Bürger gemacht hatte. Die Eigenheimzulage als staatlichen Subventionen war einfach und unkompliziert und man konnte davon wirklich gut profitieren. Was nun von der staatlichen Förderung übrig geblieben ist die Wohnriester.Aber die Wohnriester ist etwas komplizierter und je genauer man diesen Förderung betrachtet desto mehr schwächen findet man dabei.

Was soll denn die Wohnriester genau bringen?

Betrachten wir hierzu mal ein paar Fakten zu Wohnriester und Wohnroeserförderung:

Der Staat möchte dass ich in den Wohnriestervertrag mindesten 4 Prozent von meinem Vorjahresbruttogehalt einzahle. Also nehmen wir mal einen etwas besseren Durchschnittsverdienst an mit einem Jahresbruttogehalt von 38.000,- Euro.

Davon 4 Prozent sind 1520 Euro
Diese 1520,- Euro muss ich jedes Jahr in den Wohnriestervertrag einbezahlen.
Dafür bekomme ich vom Staat eine Prämie von 154 Euro !

... wow (wie großzügig)- damit kannn ich mir in 100 Jahren vielleicht sogar etwas kleines davon kaufen. Und die Küche in dem Haus damit finanzieren
154,- nach einem Jahr
1540,- nach 10 Jahren
15400,- nach 100 Jahren

Faktum die einfache Wohnungsbauprämie ist eigendlich lächerlich, wenn man irgendwann bauen will.
Na gut, nun gibt es ja noch eine Ehepartner, der in unserem Fallbeispiel aber kein eigenes Einkommen hat. Dennoch kann man an eine Förderung dran kommen, wenn man mindestens im Jhr 60 Euro einbezahlt. In diesem Falle bekäme der Ehepartner auch eine Förderung von 154,- Euro Also noch mal zusammenfassend die Jahresbeiträge die man einzahlen muss und die Förderungen die man bekommt:
Ehemann zahlt im Jahr 1520,.- Euro
Ehefrau zahlt im Jahr mind. 60,- Euro ein
Sind zusammen 1580,- Euro die in den Wohnriestervertrag eingezahlt werden.

Nun gibt es 2 mal Zuschüsse von je 154,- Euro, das sind insgesamt 308,- Euro die man als Prämie vom Staat bekommt.
Also im direkten Vergleich mit der Eigenheimzulage schaut die Wohnriester schon etwas lächerlich aus.

 

Was bringt oder Hilft mir denn dann die Wohnriester?

Zunächst muss noch erwähnt werden, dass man die Wohnriester nur nutzen kann, wenn man auch plant in der Immobilie selbst zu wohnen. Also nur bei Eigennutzung hat man Anspruch darauf. Außerdem muss man in eines festen Angestelltenverhältnis sein und darf nicht selbstständig oder gar arbeitslos sein. Also nur wer einen festen Arbeitsvertrag hat kann die Wohnriester nutzen.

Dann ist es wichtig, dass man verheiratet ist um so die zusätzliche Prämie für den Ehepartner zu bekommen. Das waren die 2 * 154,- Euro. Interessant wird es wieder wenn ein Kind dabei ist, denn hier gibt der Staat sich großzügig und gibt noch mal 300,- Euro an jährlichen Prämien dazu. Somit wären wie bei einem verheiratetem Ehepaar mit einem Kind bei einer jährlichen Förderung von 608,- Euro (2 * 154 + 300 = 608)
In diesem Bereich wird es langsam schon interessant und man kann mit der Wohnriester auch etwas anfangen.

Den zweite Nutzen man letzten Endes hat ist die Sicherung des Garantiezinses für maximal 10 Jahre

Wie schon zu Anfang des Artikel beschrieben, waren die Bauzinsen für Immobilienkredite vor 10 und 20 Jahren wesentlich höher und sehr teuer. Aber Dank der Lehman Brothers, wurde im Jahre 2008 Finanzkrise ausgelöst, das wiederum einen Fall der Leitzinsen zu folge hatte. Von dem Ergebnis profitieren wir heute mit guten Zinsen die je nach Summe und Tilgung zwischen 3 bis 4 Prozent liegen.

Dann wäre da noch der Steuervorteil

der allerdings erst dann zum tragen kommt, weil bei dem Lohnsteuerjahresausgleich beziehungsweise der Einkommensteuererklärung eine Günstigerprüfung des Steuerpflichtigen gemacht wird. Und selbst nur dann, wenn der Steuervorteil höher wäre, als die Riesterprämie selbst, gibt es für den Wohnriestersparer noch etwas nach und er hat eine steuerlichen Vorteil. Aber letzten endes kann man auch hier sagen, die so genannten Steuervorteile die Du als Riester-Sklave bekommst führen am Ende zu nichts. Das einzige was man zurückerhalten wird, sind die Einlagen und selbst die erst in Monatshäppchen und dann noch zu versteuern.

Also wieder zurück, was bringt mir nun die Wohnriester?

Da niemand weis, wie sich die Bauzinsen die nächsten Jahre entwickeln, kann man sich mit einem Wohnriestervertrag die aktuellen günstigen Bauzinsen sichern. Also wenn man irgendwann mal, die gewünschte Ansparsumme von 10.000,- oder 20.000,- Euro in seinem Wohnriestervertrag angespart hat, hat man Anspruch auf eine Kredit vom aktuelle gesicherten Bauzins. Wie hoch der Kreditanspruch ist, hängt davon ab, wie hoch man seinen Wohnriestervertrag abgeschlossen hat.

Zum Beispiel bei einer Angesparten Summe von 20.000,- Euro und eine Wohnriester von 45.000,- Euro erhält man die Differenz, also 24.000,- für den aktuellen gesicherten Bauzins von 2,65 Prozent. Nun ja, das ist besser wie nichts und immerhin einen teil der benötigten Kreditsumme kann man so günstig finanzieren.

Es muss letzten Endes jeder für sich selbst durchrechne und entscheiden, wie Sinnvoll ein Wohnriestervertrag ist. Für Familien mit Kinder ist es sicherlich eine kleine Hilfe, aber wer selbstständig ist oder Single ist, der profitiert kaum von der Wohnriester.

Außerdem hat man etwas wichtiges bei der ganzen Milchmädchenrechnung vergessen

Was macht der Staat mit meinem Geld während der Ansparphase. Immerhin liegen da ein paar tausend Euro in einem Topf, wo ich in jedem Festgeld oder anderem Depotkonto gute Zinsgewinne erzielen könnte!
Davon spricht irgendwie keiner bei der Wohnriesterförderung.

Irgendwie komme ich mir dabei etwas verschaukelt vor, wenn ich mir überlege, dass es heutzutage kein Problem ist, ein risikofreies Sparkonto mit über 3 Prozent zu bekommen. Und wenn ich mein Kapital sehe, zum Beispiel eine Ansparsumme von 10.000 Euro die im Riestervertrag drinnen liegen, dann würde ich allein schon dafür jährliche Zinsgewinne von 300,- Euro bekommen, ohne dass der Staat mich fördert. Also im Grunde ist das angesparte Kapital im Wohnriestervertrag totes Kapital, dass keine Zinsgewinne bringt sondern nur die jährliche Prämien vom Staat und am Ende einer langen Ansparphase einen (wenn man Glück hat) günstigen Baukreditzins von unter 3 Prozent. Den man aber auch von anderen Förderbanken bekommen kann.

Fazit zur Wohnriester:

Die alternative zum Bausparvertrag als Wohnriester ist also eine Milchmädchenrechnung die letzten Endes nicht so viel bringt, wie man es vielleicht sich vorgestellt hätte. Grundsätzlich ist Wohnriester nicht schlecht, wenn eine Familie mit Kindern hat und in einem festen Angestelltenverhältnis ist.
Aber es gibt einfach zu viele Ecken und Kanten, woraus man kaum erkennen kann, dass man sehr lange leben muss bis man alles bekommt, was man eingezahlt hat. Allerdings vergessen viele Beraten Ihren Kunden zusagen, dass am Ende die Kaufkraft durch die Inflation aufgefressen wird und man im Grunde etwas sinnvolleres mit seinem Geld anfangen kann.